Wie Herbstlaub im Sturm

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Der Zweite Weltkrieg, das belagerte Leningrad. Nach Verhaftung seiner Eltern wird ein Kind tot vor einer Muttergottes-Ikone aufgefunden. Ein zur Front abgerufener Student nimmt diese Ikone an sich und erweckt dadurch, in Gefangenschaft geraten, die Aufmerksamkeit der Deutschen. Er wird einem Kommando zugeteilt, das Anfang Mai 1945 versucht, durch ein Attentat auf Stalin die Niederlage Deutschlands hinauszuzögern.

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HIER EIN AUSZUG AUS DIESEM BUCH:

In den letzten beiden Tagen war die sechsjährige Katja allein gewesen, allerdings nicht ganz allein, denn ein kleiner Freund war ihr geblieben, ein gelbes, leuchtend gelbes Küken, dem sie den Namen Puchljak gegeben hatte. Mit Puchljak aber war folgendes passiert:
Papa hatte ihr das Küken vor etwa zwei Wochen gebracht. Da war es noch ganz klein gewesen, ebenso klein wie Katjas Faust am Ende ihres mageren Ärmchens. Es piepste kaum hörbar, hilflos und rührend, und Katja bemühte sich, Puchljak hochzupäppeln, obwohl es nur wenig zu essen gab. Papa und Mama konnten sich vor Hunger kaum auf den Beinen halten. Alle Menschen dieser Stadt waren unterernährt und viele starben, denn ein feindlicher Ring umfasste die Stadt wie eine eiserne Zange.
Begleitet vom dumpfen Grollen der Artillerie krochen unheimliche Gerüchte umher. Papa und Mama sagten Worte, die für Katja keinen Sinn ergaben, etwa, dass massenhaft Hausdurchsuchungen und Festnahmen erfolgten, und während sie diese unverständlichen Worte aussprachen, bekamen die Gesichter von Mama und Papa einen sonderbaren Ausdruck. Es war Winter, in einigen Tagen war Weihnachten, das Fest der Freude und des Lichtes, aber niemand verspürte Freude.
In der Nacht wachte Katja auf. Fremde Männer waren in der Wohnung. Papa und Mama hatten weiße Gesichter. Sie standen einige Schritte von ihrem Bett entfernt und hielten sich fest an den Händen. Im Halbschlaf hörte Katja, wie einer der Männer leicht näselnd sagte: “Sie werden verhaftet, da Sie beabsichtigen, zum Feind überzulaufen.”
Papa drehte sich um, kam zu ihrem Bettchen und küsste sie. Der Mann, der gesprochen hatte, machte eine Bewegung in Papas Richtung, schrak jedoch plötzlich zurück: Puchljak streckte seinen gelben Kopf aus dem Körbchen, piepste und schlug drohend die Stümpfe seiner noch im Werden befindlichen Flügel zusammen.


Skizze gezeichnet von Dr. Andrey Redlich