Schnapsi

eBook der Amazon Kindle Edition
www.amazon.de
Preis EUR 3,09

Zum Lesen am heimischen Computer
Word- und PDF-Datei auf CD-R
Preis EUR 10,00

Kurzfassung als HörBuch
erstellt und gelesen von Anita Treguboff
Audio-CD Preis EUR 10,00

Der Roman zeigt das Martyrium der fünfzehnjährigen Manuela Neudecker, die von ihren habgierigen und gewissenlosen Eltern an den Besitzer eines luxuriösen Frankfurter Eros-Centers verschachert worden war, wo sie wegen ihrer Abneigung dem Alkohol gegenüber den Spitznamen Schnapsi erhält. Schwer lastet der Druck des ihr aufgezwungenen Lebens auf ihr. Sie ist ein willensstarker, sich selbst stets treu bleibender Mensch und sucht nach einer Lebensweise, die ihrem Wesen besser entspricht.

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HIER EIN AUSZUG AUS DIESEM BUCH:

Schnapsi betrat Salon Nr. 5 und blieb stehen. Aus dem lederüberzogenen Sessel erhob sich ein Mann an die fünfzig, gut und solide gekleidet. Sie konnte nicht sagen, dass er ein unsympathisches Gesicht hatte. Da erkannte sie ihn und begriff, dass er ihr in den ersten Sekunden nur deshalb unbekannt vorgekommen war, weil die Umgebung ganz anders war als die, in der sie sich vor ein paar Tagen gesehen hatten.
Sie war keineswegs das erste Mal mit einem fremden Mann unter vier Augen in einem Séparée und konnte in der ersten Sekunde am Ausdruck der Augen feststellen, was von dem Gast zu erwarten war. Wenn das Unvermeidliche begann, fühlte sie weder Verzweiflung noch Scham. Längst hatte sie gelernt, den Ekel in sich zu unterdrücken. Wie merkwürdig es auch war, die Männer riefen bei ihr weder Hass noch Verachtung hervor, sondern eher ein Gefühl wie Mitleid. Sie, Manuela, würde sich niemals erlauben, was diese Männer taten, denn sie waren frei, Schnapsi aber nicht. Trotz ihrer Jugend hatte sie gelernt, sich zurechtzufinden, bis zu welchem Grad ein Mann gefährlich sein konnte (was in ihrer Lage sehr wichtig war), ob sein Geist schon lange getrübt war und der hochverehrte Kunde womöglich Anstalten traf, jene Grenze zu überschreiten, die zu überschreiten selbst im Haus des Herrn Saschenin nicht zulässig war. Es gab im Salon zwei versteckte Knöpfe, die der Kunde nicht entdecken konnte, deren Lage den Mädchen jedoch stets bewusst war.
Schnapsi hatte es jedoch noch nie nötig gehabt, die hilfreichen Knöpfe zu bedienen. Wie bereits erwähnt, nicht jeder konnte das Haus von Archip Pawlowitsch betreten und von denen, die hinein kamen, durfte anständiges Benehmen erwartet werden. Höchstens ging jemand etwas weiter als unbedingt nötig auf dem Weg des Lasters in Verbindung mit einem halbwüchsigen Mädchen.


Skizze gezeichnet von Dr. Andrey Redlich