Nachgelassenes

eBook der Amazon Kindle Edition
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Zum Lesen am heimischen Computer
Word- und PDF-Datei auf CD-R
Preis EUR 10,00

Übersetzungen, Gedichte und Erzählungen, „Die Geschichte dreier Häuser“ (Fragment), Splitter, Reaktionen, Werke.
Herausgegeben von Anita Treguboff

Die in diesem Büchlein enthaltenen Übersetzungen von Gedichten Puschkins und Lermontovs wurden zusammen mit den russischen Originalen sowie Gedichten Jurij Treguboffs in russischer Sprache in das HörBuch РУССКАЯ ПОЭЗИЯRUSSISCHE GEDICHTE aufgenommen, russisch von Michail Schmid und deutsch von Anita Treguboff gelesen.
Mehr unter HörBücher.

Frankfurter Neue Presse, 22.9.2001
Jetzt, anderthalb Jahre nach dem Tod von Jurij Treguboff, können sich die Freunde Treguboffs auf die bisher noch unveröffentlichten Arbeiten freuen. Für die Zukunft hat Anita Treguboff noch einige Pläne. So überlegt sie, vergriffene Exemplare als Taschenbuch wieder aufzulegen. Und einen großen Traum hat sie noch: Die deutschen Werke in seiner russischen Heimat zu veröffentlichen. (Interview „Nachgelassenes“)
Sören Rabe

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HIER EIN AUSZUG AUS DIESEM BUCH:

Der Traum

Auf einmal sah ich einen alten Mann,
sein majestätisch drohendes Gesicht,
doch seine Augen waren gütig.
Er sprach: „Ich bin das Leiden deines Volkes!
Zufällig nur zerbrochen wurde deine Haft.
Ich schenk dir eine Feder, erfülle deine Pflicht,
und sie hat eine wunderbare Eigenschaft:
Wenn du die Wahrheit schreibst,
was dir aus dem Gemüt oder aus reinem Herzen kommt,
dann wird die wunderbare Feder
ganz wie von selbst über die Zeilen gleiten.
Wenn deine Seele aber falschen Schlauigkeiten frommt,
Bösartiges, Unehrliches zusammenspinnt,
wird sie bleischwer – für den, der Böses sinnt,
bleischwer wird sie und wird nicht weiter schreiben.
Denn diese Feder, die beim Erwachen du wirst finden,
wird dir von Gott als Auftrag offeriert,
damit zum reinen Glauben sie die Menschen animiert.
Freu dich, nicht jedem ist das große Glück beschieden,
schreiben zu dürfen nach Seinem hohen Willen –
sei zufrieden!“

Wie eine Wolke dieser Traum entschwand,
die Zauberfeder aber blieb zurück in meiner Hand.

Dieses Gedicht schrieb Jurij Treguboff 1998 im Krankenhaus und überarbeitete es in seinem letzten Herbst, als ob er noch einmal die Basis für sein Lebenswerk artikulieren wollte. Im Januar 2000 begann Jurij mit der Niederschrift der „Geschichte dreier Häuser.“ Er spürte jedoch, dass er immer schwächer wurde und wusste genau, dass er dieses Buch nicht wird beenden können. Dass er es dennoch als Roman konzipierte und sich nicht auf eine Kurzgeschichte beschränkte, war typisch für seinen Lebenswillen.


Skizze gezeichnet von Dr. Andrey Redlich