Mark A. Aldanow

М. А. Алдановъ

FEUER UND RAUCHОГОНЬ И ДЫМЪ

20 Essays aus dem Jahr 1922
Übersetzt von Jurij und Anita Treguboff und mit zahlreichen Anmerkungen versehen.

ELEKTRONISCH ERFASST:

Zum Lesen am heimischen Computer
Zweisprachig: deutsch und russisch
Word- und PDF-Datei auf CD-R
Preis EUR 10,00

Vor vielen Jahren entdeckte Jurij Treguboff in einem Pariser Antiquariat diese Sammlung von Essays, die ein gutes Bild der geistigen Situation Rußlands zum Ende des 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vermitteln. Aldanow zieht zahlreiche Parallelen zwischen der französischen und der russischen Revolution und kommentiert die Situation Europas und Rußlands während und nach dem Ersten Weltkrieg.

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HIER EINIGE AUSZÜGE AUS DIESER ÜBERSETZUNG:

Bartholomäusjahre:
Seit Jahren leben wir in der geistigen und moralischen Atmosphäre der Bartholomäusnacht. Allein die letzten fünf Jahre stellen einen erstaunlichen Rückschritt der Geschichte dar.

Der 19. Floréal:
Erschöpft sank Lagrange in seinen Sessel: „Das also ist die Revolution, von der die Besten unserer Generation geträumt haben! Das soll die Revolution sein, der zu dienen Voltaire uns aufgerufen hat? Die Überreste von Marat sind für das Pantheon bestimmt, der kopflose Körper von Lavoisier wird jedoch in ein Massengrab geworfen. Ein stupider, unwissender Rechtsanwalt, der zum Gott erklärt wurde, verhöhnt unser unglückliches Land. Frei laufen die Tiere in den Straßen von Paris umher… Bailly wurde hingerichtet, Concordet hat sich vergiftet und Chamfort hat sich die Kehle durchgeschnitten. Caesar, ein neuer Caesar, komm und rette die tausendjährige Kultur Frankreichs vor dem Untergang..!“

Erich Ludendorff:
Ein völlig unbekannter Oberst fährt im August 1914 allein in einem Auto vor die Festung von Lüttich (Liège) und befiehlt der Garnison, sich zu ergeben. Ohne einen einzigen Schuß ergibt sich die verblüffte Garnison, und der tapfere Oberst erhält einen verantwortungsvollen Posten. Zwei Jahre später ist er Diktator von vier Imperien mit unbeschränkter Macht und grenzenloser Popularität, und nach zwei weiteren Jahren sieht er sich gezwungen, aus Deutschland, das er in den Untergang und zur Revolution geführt hat, nach Schweden zu fliehen. Dieses Schicksal hat zweifellos etwas von Shakespeare an sich.

Georges Clemenceau:
Zweifellos hat Clemenceau auf der Friedenskonferenz dominiert trotz des geringeren militärisch-politischen Gewichts Frankreichs im Vergleich zu England und den Vereinigten Staaten. Innerhalb dieses Häufleins Menschen, die ohne jegliche Kontrolle die Welt herumkommandierten, mußte der wahre französische Aristokrat geistig dominieren neben dem stupiden englischen Geschäftemacher, der seine Ansichten zweimal im Monat wechselte, und dem drangsalierten amerikanischen Professor, der von der Ideologie eines protestantischen Pastors mit Ersparnissen auf der Bank durchdrungen war. Unter den gegenwärtigen Verhältnissen trägt das Schicksal gewöhnlich solche Menschen auf die obersten Stufen der steilen und gefährlichen politischen Leiter, die über großen praktischen Verstand und Rednergabe verfügen und zudem zu parlamentarischen Intrigen fähig sind. Diese Eigenschaften zeichnen Clemenceau in dem gleichen Maße aus wie alle anderen Weltenordner. Doch wer der heutigen Politiker hat die ihm eigene Kombination eines gewaltigen kulturellen Potentials mit geistiger Aristokratie und schriftstellerischer Begabung?


Skizze gezeichnet von Dr. Andrey Redlich