Hauptwache

eBook der Amazon Kindle Edition
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Preis EUR 3,09

Zum Lesen am heimischen Computer
Word- und PDF-Datei auf CD-R
Preis EUR 10,00

Kurzfassung als HörBuch
erstellt und gelesen von Anita Treguboff
Audio-CD Preis EUR 10,00

Die Dynamik der Handlung dieses Romans ist untrennbar mit der Hauptwache verbunden, Frankfurts vital schlagendem und sündigem Herzen. Die B-Ebene ist Treffpunkt und Herberge zahlreicher Menschen, die vom Schicksal benachteiligt sind: Gestrauchelte und Unglückliche, zu schwach, um ihrem Leben Halt und Sinn zu verleihen, und gerade Menschen wie sie können sich als äußerst nützlich erweisen, wenn sie für dunkle Machenschaften missbraucht werden sollen.

Der Literat, Juni 1983
Treguboff ist ein vitaler Erzähler, der keine Grenzen zwischen Ironie, Selbstironie, Komik, unfreiwilliger Komik, echter und scheinbarer Naivität kennt. Man möge mir den Kalauer verzeihen: alles wirkt spontan durchdacht… Es gelingt ihm, seine Leser nicht zu langweilen und das ist mehr als die meisten zeitgenössischen Erzähler leisten. („Hauptwache“)
Wolfgang Fienhold

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HIER EIN AUSZUG AUS DIESEM BUCH:

Die B-Ebene der Hauptwache, nachts gegen ein Uhr. Um diese späte Stunde eines Werktags war sie fast leer. Die zwei Etagen tiefer platzierte U-Bahn fuhr nicht mehr und die Rolltreppen von unten nach oben bewegten sich nicht. Wozu auch? Der Ort, die Achse des Geschäftslebens Frankfurts und tagsüber kochend wie ein Strudel, war, wie gesagt, fast leer. Aber dennoch gab es Leben auf ihm.
Er hatte Bewohner, und zwar solche, die in sozialer Hinsicht in ganz Frankfurt sich niemandem überlegen fühlen konnten: Heimatlose Landstreicher, Bettler, Säufer, Liebhaber von Haschisch und LSD und anderen Präparaten, für die sich die Chemiker komplizierte lateinische Namen ausgedacht hatten, durch die sie jedoch keineswegs weniger gefährlich wurden. Ferner Menschen, die sich an dem berauschten, was andere Liebe nannten, und ein Pärchen, besessen von etwas, was in der menschlichen Sprache schon überhaupt keinen Namen hatte und sie derart fest in den Händen hielt, dass all die teuflischen, von der Wissenschaft erfundenen Chemikalien, die sich der verzweifelte menschliche Verstand als Ersatz für das an der Nase vorbeigegangene Glück versuchte anzueignen, wie Kinderspiele dagegen waren.
Es waren ungefähr zehn Personen. Polizei war nicht in Sichtweite und daher wickelte sich das Gespräch neben dem Automaten für Lebensmittel, Süßigkeiten und Alkohol ziemlich ruhig ab. Die Männer waren schäbig gekleidet. Manch einem war anzusehen, dass seine Kleidung von einem fremden Bügel stammte, aus der Lagerstätte einer Wohltätigkeitsinstitution, deren Zahl zur Ehre der Menschheit Legion ist. Die Welt ist nicht ohne noble Seelen!


Skizze gezeichnet von Dr. Andrey Redlich