Fjodor R. von der Osten-Sacken

Fünf Wochen aus dem Leben von Sonja, Olja und Marusja

Aus dem Russischen übertragen von
Jurij und Anita Treguboff

eBook der Amazon Kindle Edition
www.amazon.de
Preis EUR 3,09

Zum Lesen am heimischen Computer
Zweisprachig: deutsch und russisch
Word- und PDF-Datei auf CD-R
Preis EUR 10,00

Als im Herbst 1880 von fünf Schwestern eine an Masern erkrankte, wurden die drei kleineren Mädchen zu ihrem Onkel Fedja gebracht, damit sie sich nicht anstecken. Das jüngste, die vierjährige Sonja, wurde später Jurij Treguboffs Mutter. Der Onkel schrieb den Eltern jeden Tag einen ausführlichen Brief, die er 1900 in nur dreißig Exemplaren für die Familie drucken ließ. Um ein abgerundetes Bild des privaten und offiziellen Lebens dieser Epoche zu zeigen, haben wir den Nachruf auf F. R. von der Osten-Sacken hinzugefügt, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts für die Asienpolitik Russlands mitverantwortlich war.

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HIER AUSZÜGE AUS DIESEN ÜBERSETZUNGEN:

Fünf Wochen aus dem Leben von Sonja, Olja und Marusja

Heute morgen wurde am Teetisch der erste Versuch unternommen, die Kinder mit Haferbrei zu füttern. Onkel Fedja hat schon seit langem darüber nachgedacht, wie schön es wäre, die Kinder an diesen edlen Brei zu gewöhnen, dem die sächsische Rasse (Engländer und Amerikaner) ihre Vorherrschaft auf dem Erdball verdankt. Onkel Fedja hatte den Kindern von dem segensreichen Einfluss des Haferbreis auf das Gehirn erzählt und ist überhaupt auf physiologische Funktionen eingegangen.
Die Kinder interessierten sich sehr für den Haferbrei. Marusja hat leichtfertig versprochen, unbedingt jeden Morgen Haferbrei zu sich zu nehmen. Sonitschka hat mit der ihr eigenen Feurigkeit erklärt, sie würde so viel Haferbrei essen, dass auf dem Tablett nichts mehr übrig bliebe. Nur Olja, mit der ihr eigenen vernünftigen Vorsicht, hat nichts versprochen und lediglich erklärt, dass sie sich erst ansehen will, was Haferbrei überhaupt ist.
Der entscheidende Tag näherte sich. Unterdessen schüttelte Tante Gulja ihren Kopf und meldete von Zeit zu Zeit andeutungsweise mit halber Stimme ihre Zweifel an, ob die Kinder den Haferbrei überhaupt essen würden, da ihrer Meinung nach der Geruch allein genüge, selbst den hungrigsten Menschen in die Flucht zu jagen.

A. Baschmakow: Nekrolog

Am 19. April 1916 verschied im 84. Lebensjahr der bekannte Staatsmann, Geograph, Botaniker, Forschungsreisende und Diplomat Fjodor Romanowitsch von der Osten-Sacken. In ihm lag, was den Weitblick seiner Vorstellungen, Schlichtheit, Tiefe des Geistes und die wissenschaftliche Kraft des Denkens anbelangte, etwas vom Wesen Humboldts, das zu einer enzyklopädischen Erfassung der Summe des Wissens seines Jahrhunderts strebte.


Skizze gezeichnet von Dr. Andrey Redlich