Die blutige Ikone

eBook der Amazon Kindle Edition
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Preis EUR 3,09

Zum Lesen am heimischen Computer
Word- und PDF-Datei auf CD-R
Preis EUR 10,00

Kurzfassung als HörBuch
erstellt und gelesen von Anita Treguboff
Audio-CD Preis EUR 10,00

Im Mittelpunkt dieser Erzählung steht eine in der einzigen offenen Kirche eines kleinen russischen Städtchens hängende Ikone von hohem künstlerischem Wert, die ein reicher Grieche unbedingt in seinen Besitz bringen will. Sein Freund, ein auf Elba lebender Milliardär, will aus Langeweile die Frage klären, ob plötzlicher Reichtum einem durchschnittlichen Menschen Verderben oder Glück bringt. Für dieses Experiment werden ausgerechnet Diejenigen ausgesucht, die beim Raub der Ikone behilflich waren.

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HIER EIN AUSZUG AUS DIESEM BUCH:

Schweigend stellte Hofacker die Ikone auf die Chaiselongue, mit dem Rücken zur Wand. Umrahmt von geschmacklosen Rosentapeten blickten die gütigen Augen der Muttergottes und die Antlitze der Heiligen dieser und der jenseitigen Welt in das Zimmer, so wie sie von einem unbekannten, namenlosen Künstler in dieser Ikone vereint worden waren. Etwas veränderte sich, auch Huhn und Hofacker spürten das. Bis zu dem Augenblick, in dem in diesem gewöhnlichen Hotelzimmer die prosaische Verpackung von der gestohlenen Ikone herabfiel, war es ganz anders gewesen als jetzt, da die Augen der Muttergottes, der Himmelsbewohner Petrus und Johannes und der Erdenbewohner Sergius und Michej in dieses Zimmer hineinblickten.
„Ja, sie scheint tatsächlich ausgezeichnet zu sein.“ erklärte Huhn, um überhaupt etwas zu sagen.
„Ein unerhörtes Kunstwerk“, fügte Hofacker hinzu, „das sehe selbst ich. Ich habe auch früher schon talentiert gemalte Ikonen in den Fingern gehabt, aber sie waren mit dieser hier nicht zu vergleichen. Nicht umsonst haben Sie einen so großen Haufen Geld ausgegeben.“
Der fast leere Nachtzug brachte Gerhard Huhn zurück nach Frankfurt. Er schlummerte ein und spürte im Halbschlaf, dass sich ihm eine Gefahr näherte. Er versuchte, die Fesseln des Schlafes zu sprengen, wollte sich bewegen, hob den Kopf und erblickte die Gefahr – das Gitter über seinem Kopf, auf dem der Koffer mit der Ikone lag, bog sich nach unten durch, als ob es von einer furchtbaren Last gesprengt wurde. Sein Herz wurde kalt, immer stärker bogen sich die Messingstäbe, in der nächsten Sekunde würde die unerhörte Last herabfallen und ihn erdrücken!
Entsetzt zuckte er zusammen und erwachte endgültig. Alles war in Ordnung, unbeweglich lag der Koffer und das Gitter war nicht verbogen.


Skizze gezeichnet von Dr. Andrey Redlich