Jurij A. Treguboff

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ЮРИЙ А. ТРЕГУБОВ Жизнь, творчество, воззрения и Vosem’ let

Jurij Andrejewitsch Treguboff (Tregubov) wurde am 4. April 1913 in St. Petersburg geboren und starb am 27. Februar 2000 in Frankfurt am Main. Er verbrachte seine Kindheit in der Provinz Wladimir und in Moskau. Im Jahr 1926 fuhr seine Mutter auf Anraten eines Verwandten mit ihm nach Berlin. Ursprünglich wollte sie nach einem Jahr zum Vater zurückkehren, was ihr aufgrund der politischen Entwicklung Russlands jedoch nicht ratsam erschien. So wurde er wider Willen zum Emigranten.

Dem Unglück seines Vaterlandes wollte Jurij jedoch nicht tatenlos gegenüber stehen und trat im Jahr 1934 in den NTS Bund russischer Solidaristen ein, eine Widerstandsorganisation gegen die stalinistische Diktatur, die auf der als Idealo-Realismus bezeichneten Schule einiger 1922 aus der Sowjetunion ausgewiesener Philosophen beruht, von denen N. O. Losskij, N. A. Berdjajew, S. L. Frank und I. A. Iljin die bekanntesten sind.

Im Herbst 1944 erhielt Jurij Treguboff aufgrund des deutschen Mädchennamens seiner Mutter die deutsche Staatsangehörigkeit mit dem Hinweis, er müsse jeden Tag mit seiner Einberufung zur Wehrmacht rechnen. Statt dessen trat er in die im Aufbau befindliche Russische Befreiungsarmee des Generals Wlassow (ROA) ein, der ein Russland ohne Stalin und ohne Hitler anstrebte. Nach Kriegsende geriet Jurij in amerikanische Gefangenschaft, wurde an die Tschechen ausgeliefert und konnte erst im September 1946 nach einem Grubenunglück, bei dem er vierzehn Stunden unter der Kohle lag, als Invalide nach West-Berlin zurückkehren, wo seine Mutter lebte. Er suchte Kontakte zu amerikanischen Militärs russischer Abstammung, um ihnen die Ideen des NTS nahe zu bringen und erweckte dadurch das Interesse der Sowjets.

Am 19. September 1947 wurde er an der Grenze zu Ost-Berlin von sowjetischen Sicherheitsorganen entführt, nach zweieinhalb Jahren Untersuchungshaft in der Moskauer Lubjanka zunächst zum Tode verurteilt, eine Woche später zu 25 Jahren Zwangsarbeit „begnadigt“. Die Lager von Workuta und Dubrawlag bei Potma (Mordowien) folgten. Als nach dem Tod Stalins Adenauer den Sowjets die Freilassung der deutschen Kriegsgefangenen abtrotzte, wurde Jurij Treguboff nach über acht Jahren im Oktober 1955 in die Freiheit entlassen und zog nach Frankfurt am Main, wo er als Journalist arbeitete und zu schreiben begann.

In einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung im April 1988 sagte Jurij Treguboff, dass es „sein Wunschziel sei, in einer Reihe von Büchern die historische Epoche zu beschreiben, die 1917 angefangen hat und bis in unsere Tage hineinreicht.“

Auf den ersten Blick lassen sich zwei grosse Bereiche unterscheiden: russische Geschichte des 20. Jahrhunderts sowie Zeitkritik anhand des Milieus der russischen Emigranten und ihrer deutschen Nachbarn. Jurij Treguboff formulierte das einmal so:
„Die historischen Romane bilden den Hintergrund, die Basis, während die übrigen die Auswirkungen der geschichtlichen Entwicklung auf die verschienenen Ebenen des Lebens beschreiben, wobei ich vor allem die Versuchungen durch materialistisches Denken und Handeln aufzeigen will.“
Diese Zielsetzung erklärt die ungewöhnliche Mannigfaltigkeit der von ihm aufgegriffenen Themen.

Über seine Arbeitsweise schrieb Jurij Treguboff:
„Ich habe mir bei keinem Roman einen Plan zurechtgelegt, in dem von vornherein festgelegt wurde, wie er anzufangen und wie er zu enden hatte, sondern sozusagen immer nur den ersten Schritt gemacht, dem entsprechend der Logik ein zweiter folgen musste, und so liess ich die Handlung sich selbst entwickeln und neue Personen oder Ereignisse in ihren Bann ziehen.
Vor meinem geistigen Blick entstand eine Vision, eine Szene oder die Gestalt eines Menschen, der mir würdig erschien, auf Papier gebracht zu werden. Ich versuchte, diese Gestalt so zu beschreiben, dass das besonders Typische und Charakteristische an ihr festgehalten wurde, nämlich das, was sie von ihren Mitmenschen unterschied und zu einer Persönlichkeit machte, wert, von anderen mit Interesse betrachtet zu werden.“

Jeder seiner Romane erzählt eine in sich abgeschlossene Geschichte, ist aber durch einige Personen oder Familien, deren Schicksale er über einen längeren Zeitraum zeigen wollte, auch mit anderen Romanen verbunden. Äußerlich haben wir diesen Zusammenhang durch eine einheitliche Gestaltung der Buchcover sichtbar gemacht.

Jurij Andrejewitsch Treguboff
An der russischen Schreibmaschine