Anita Treguboff

ПО-РУССКИ:
ЮРИЙ А. ТРЕГУБОВ Жизнь, творчество, воззрения и Vosem’ let

Ich stamme aus Bielefeld. Im Sommer 1962 schickte meine Lehrfirma mich zu einem einwöchigen Seminar nach Eltville. Einer der Referenten war Herr Treguboff, sein Thema die Geschichte Russlands. Ich wollte mehr darüber wissen und schrieb ihm, ob er mir Bücher hierzu empfehlen könne. Daraus entwickelte sich ein intensiver Schriftwechsel – und im Januar 1964 heirateten wir. Zu diesem Zeitpunkt lagen die 1957 in Frankfurt am Main veröffentliche russische Fassung seiner Autobiografie und ihre deutsche Übersetzung vor sowie die deutschen Manuskripte seiner beiden ersten Romane, die er einer aus dem Baltikum stammenden Dame diktiert hatte.

Jetzt bestellte er sich eine russische Schreibmaschine und begann, mit zwei Fingern auf ihr herumzuhacken. Sein schöpferischer Denkprozess erfolgte, während er heftig gestikulierend unter Selbstgesprächen in der Wohnung hin und her lief und dabei immer schneller wurde. Plötzlich stoppte er, ging zum Schreibtisch und begann zu tippen. Niemals veränderte er den Text nachträglich, lediglich Tippfehler korrigierte er. Etwa zwölf bis vierzehn Monate benötigte er, bis ein Buch beendet war. In dieser Zeit warf er mir lediglich ab und zu einige Informationen zu, so wie man einem hungrigen Hund einen Knochen zuwirft. Womit er sich die ganze Zeit befasst hatte, erfuhr ich erst, wenn er nach Abschluss des Romans mit der deutschen Übersetzung begann, die er mir in die Maschine diktierte.

Somit war ich sein erster Leser. Ich erinnere mich an eine Szene, die mich so berührte, dass ich in Tränen ausbrach. Jurij saß daneben, strahlte über das ganze Gesicht und meinte: “Scheint mir geglückt zu sein!”
Sobald die rohe Übersetzung beendet war, beschäftigte er sich mit einem neuen Thema, während er mir die Ausarbeitung der deutschen Fassung überließ. Anfangs guckte er mir dabei scharf auf die Finger, gestand mir jedoch allmählich eine immer größere Selbständigkeit zu, und so wurde ich zu seiner engsten Mitarbeiterin.
Heute ist mir bewusst, wie erfüllt die vielen Jahre des gemeinsamen Schaffens waren. Nach Jurijs Tod war mir, als ob wir wie auf einer einsamen Insel gelebt hatten, was uns völlig genügte. Allein geblieben, musste ich jedoch Wege zu anderen Menschen finden, und so begann ich, über Jurij und sein Lebenswerk Vorträge zu halten und Artikel für politisch-literarische Zeitschriften zu schreiben, was mir viel Freude macht, so 2004 für die Zeitschriften Kultur in Hamburg und Horch und Guck.

Das erste deutsche Buch Jurijs “Der letzte Ataman” erschien 1967 im blick+bild Verlag, Velbert. Jurij war jedoch unglücklich darüber, dass der Verleger sein Buch bearbeitet und gekürzt hatte. 1971 gründeten wir den Feuervogel-Verlag, in dem alle weiteren Werke Jurijs herauskamen, deren äußeres Erscheinungsbild stets gleich blieb, so dass Jurijs Romane eine unverwechselbare Optik und damit einen hohen Wiedererkennungswert haben, was bei Verkaufsaktionen eine große Hilfe ist.
Damals hielt Jurij als freier Journalist Vorträge über russische Themen: Geschichte, Literatur, Religion, Zeitgeschehen und Erlebtes, und zu jedem Vortrag nahm er sein Buchköfferchen mit. Mitte der achtziger Jahre entdeckten wir Stadtfeste und Kunsthandwerkermärkte, auf denen wir Jurijs Bücher anboten.

Jurij hat immer bedauert, daß es aufgrund der politischen Verhältnisse nicht möglich war, seine Bücher auch seinen Landsleuten zugänglich zu machen. Die modernen Technologien ermöglichen mir, diesem Manko abzuhelfen. So werden seine russischen Manuskripte zur Zeit elektronisch erfasst und anschließend auf CD gebrannt, damit in Deutschland lebende russischsprachige Menschen sich mit ihnen auseinandersetzen können. Außerdem nutze ich diese CDs für Verhandlungen mit Verlagen in Rußland.
Mein Ziel ist, irgendwann Jurijs Lebenswerk vollständig in der Originalsprache anbieten zu können. Über den Fortgang dieser Arbeit informiert die Seite Vosem’ let.

Anfang Oktober 2005 hat die National Library of Russia, St. Petersburg, nach dem Studium meiner Internet-Seiten Interesse bekundet, Jurijs Werke in diese berühmte Bibliothek aufzunehmen „that Russian readers will get the possibility to get acquainted with life and work of our compatriot and learn some unknown pages of history“ und es war eine große Freude für mich, sämtliche als Buch oder CD auf deutsch und russisch verfügbaren Titel während der Frankfurter Buchmesse an Vertreter dieses bedeutenden Hauses auszuhändigen.
Anläßlich des Jahrestags ihrer Eröffnung (2. Januar 1814) fand im Januar 2006 in der Russischen Nationalbibliothek eine Ausstellung statt, in der Jurijs Bücher gezeigt wurden. Herr W. N. Zaitsev, der Generaldirektor der Russischen Nationalbibliothek, war so freundlich, mir zwei Fotos zuzuschicken und einen Brief zu schreiben:
“Erinnerungen von Zeitzeugen historischer Ereignisse sind wertvolle Dokumente für die Forschung. Das talentiert geschriebene Buch zieht jedoch auch die Aufmerksamkeit anderer Leser auf sich. Dieser Bericht über die furchtbaren Jahre, zugebracht hinter den Mauern der Lubjanka und in den Konzentrationslagern von Workuta, sowie die Erzählungen von Alexander Solschenizyn und anderer Häftlinge des GULAG haben auch in unserer Zeit nichts von ihrer Bedeutung verloren.”

In Moskau stehen dem russischen Leser seit 2004 einige Bücher Jurijs sowie das russische Manuskript seines letzten Romans “Beginn eines Erdbebens” im Archiv des Kulturzentrums Haus Museum Marina Zwetajewa zur Verfügung, dessen Direktion mir schrieb:
“Das literarische Erbe von Jurij Treguboff hat für russische Historiker, Kulturwissenschaftler und sonstige Leser eine große Bedeutung – in erster Linie als Zeugnisse der Epoche und Spiegelbild einer ganzen Generation in der Emigration. Schon seit mehreren Jahren bewahren wir bei uns das biografische Werk Ihres Mannes »Acht Jahre in der Gewalt der Lubjanka«, herausgegeben vom Possev-Verlag in Frankfurt. Dieses Buch hat bei unseren Lesern großes Interesse gefunden. Wir verbeugen uns vor Ihnen für Ihren Wunsch, nicht nur das Gedenken an Jurij Treguboff in Russland zu bewahren, sondern auch für Ihr Bestreben, sein Kulturerbe zurück nach Russland zu bringen, das er bis zu seinem letzten Tag geliebt hat, wenn man nach seinen Werken urteilt.”

Ende 2006 habe ich unter AKTUELL eine neue Seite für KOMMENTARE eingerichtet. Hier werden die Stimmen Dritter über ihre BEGEGNUNGEN MIT JURIJ TREGUBOFF sowie meine Korrespondenz mit dem Intendanten der OPER FRANKFURT zu einer Aufführung der Oper “Die Zarenbraut” von Nikolaj Rimski-Korsakow festgehalten.

Sein Leben lang beschäftigte sich Jurij Treguboff intensiv mit der Geschichte Rußlands und Europas. Die 1971 in der Zeitschrift “Новый журнал”, New York, veröffentlichte Besprechung von S. Puschkarjow über das 1967 von A. I. Spreslis in Riga herausgebrachte Buch “Lettische Schützen im Kampf um die Eroberungen des Oktobers, 1917-1918” erschien ihm so wichtig, daß er sie übersetzte. Das russische Original sowie die deutsche Übersetzung biete ich nunmehr als eBook auf CD an.
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Im Juli 2007 erschien im Lerato-Verlag unter dem Titel “Als wäre es gestern gewesen – als könnte es morgen sein” eine Anthologie zum Thema “Definition Alter – Zukunft und Vergangenheit – die Physiologie des Individiums”, die Jurijs Erzählung “Die achte Legion” aus dem Bändchen “Nachgelassenes” enthält.
Siehe auch www.lerato-verlag.de

Es war mir eine große Freude, als Michaela Getto von RADIO TIDE 96.0 HAMBURG Interesse zeigte, in ihrer Sendung “Hörrausch – Literatur und Musik” das von Jurij und mir übersetzte Poem “Der Dämon” von Michail J. Lermotov vorzutragen. Der am 9. Juli 2007 ausgestrahlte Text wurde musikalisch untermalt von Auszügen aus der gleichnamigen Oper von Anton Rubinstein und steht als HörBuch zur Verfügung. Am 14. Januar 2008 folgte die Ausstrahlung unserer Übersetzung des Poems “Bojare Orscha”, unterlegt mit Musikstücken von Bela Bartok.
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Bei meinen Verkaufsaktionen werde ich immer wieder nach HörBüchern gefragt, und so habe ich von März bis September 2007 HörBücher von Jurijs Autobiografie sowie den als gedruckte Bücher vergriffenen Titeln erstellt. Hierfür mußte ich jeweils den Hauptstrang der Handlung herauskristallisieren, damit der Hörer in knapp achtzig Minuten einen abgerundeten Eindruck von Thema und Aussagen des Buches erhält. Dabei wurde mir bewußt, mit welcher Leichtigkeit von Jurij beschriebene Personen die uns einengenden Grenzen von Zeit und Raum sprengen, und mir fielen die in dem Roman „Der große Einsatz“ zitierten Worte des Philosophen Demokrit ein: „Die wahre Glückseligkeit besteht (…) in der Gestaltung des Geistes, der im Glück ein Juwel ist, im Unglück ein Zufluchtsort“, eine Erfahrung Jurijs während der Jahre seiner Haft, die ihm half, die furchtbaren Lebensumstände durch Erinnerungen an Gelesenes und interessante Gespräche auszugrenzen.
Im September 2008 folgte ein zweisprachiges Hörbuch mit Gedichten von Puschkin und Lermontov sowie Jurijs Übersetzungen dieser Verse und eigenen Gedichten auf russisch, die er leider nicht ins Deutsche übersetzt hat. Die russischen Texte wurden von Michail Schmid gelesen.
Mehr unter HörBücher.

Im November 2007 schrieb ich einen ausführlichen Artikel über Jurij für die Internet-Enzyklopädie Wikipedia, der leider im Februar 2008 erheblich zusammengestrichen wurde, so daß er wesentlich an Aussagekraft verlor. Daher zeige ich die ursprüngliche Fassung jetzt im Bereich “Aktuell” unter Wikipedia-Artikel 2007.

Durch die Arbeit am Wikipedia-Artikel bin ich auf den Gedanken gekommen, daß sich auch Leser in Georgien für Jurijs Werke interessieren könnten, da seine Großeltern mütterlicherseits aus Tiflis stammen. Ich setzte mich mit der Nationalbibliothek des Georgischen Parlamentes in Verbindung, mein Vorschlag wurde aufgegriffen – und Anfang August 2008 erhielt ich die Bestätigung, daß alle Bücher in Tiflis angekommen sind, kurz vor Ausbruch des Kriegs zwischen Georgien und Rußland.

Während einer Parisreise um 1985 entdeckte Jurij Treguboff in einem Antiquariat das 1922 erschienene Buch Mark A. Aldanow “Feuer und Rauch – Огонь и Дымъ”, das ein gutes Bild der geistigen Situation Rußlands zum Ende des 19. und in den ersten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts vermittelt. In zwanzig Essays zieht Aldanow zahlreiche Parallelen zwischen der französischen und der russischen Revolution und kommentiert die Situation Europas und Rußlands während und nach dem Ersten Weltkrieg. Jurij ließ das Buch neu einbinden und begann mit der Übersetzung ins Deutsche, die wir veröffentlichen wollten. Uns wurde jedoch schnell bewußt, daß für die deutsche Fassung zahlreiche, nur unter großem Zeitaufwand zu erstellende Anmerkungen notwendig sind, daher traten wir von der Herausgabe als Buch zurück. Jetzt aber, nachdem die modernen Techniken das Buchwesen völlig verändert haben und das Internet zu einer bedeutenden Informationsquelle geworden ist, kann ich dieses für den an geschichtlichen Entwicklungen interessierten Leser höchst aufschlußreiche Werk im russischen Original mit der deutschen Übersetzung und ausführlichen Anmerkungen als eBook auf CD anbieten.

Seit 2009 stehen zwei weitere russische Manuskripte auf CD zur Verfügung: die Romane Geld und Notizen eines Pechvogels, 2010 folgte Wladimirschina.

Eine Leserin aus Husum schenkte mir das Buch von Karl Rose „Grund und Quellort des russischen Geisteslebens“ mit dem Untertitel „Von Skythien bis zur Kiewer Rus“ über die Taufe Rußlands, das 1956 im Union-Verlag, Berlin, als Studie aus dem Institut für Ost- und Südslawische Religions- und Kirchenkunde der Humboldt-Universität, Ost-Berlin, in Halle an der Saale gedruckt wurde. Dieses Buch erscheint mir so wichtig, daß ich die Leser meiner Homepage auf dieses und andere Werke von Karl Rose aufmerksam machen möchte.

„Ich war eine literarische Marktfrau“

Im Januar 2012 habe ich begonnen, Jurijs literarisches Lebenswerk als eBooks der Amazon Kindle Edition zu veröffentlichen. Zu seinem 100. Geburtstag am 4. April 2013 waren alle Titel erfaßt und stehen interessierten Lesern nunmehr elektronisch zur Verfügung.

Nach Jurijs Tod habe ich die Verkaufsreisen zu Kunsthandwerkermärkten und Stadtfesten fortgesetzt und am 14. Juni 2015 in Eisenach das letzte Exemplar der Biografie “Acht Jahre in der Gewalt der Lubjanka” an ein Paar verkauft, das dieses Buch mit nach Guatemala nehmen wird.

Für die bereits im letzten Jahr für Juli geplanten Märkte am Bodensee und im Allgäu greife ich auch auf unsere vor langer Zeit angelegten eisernen Bestände zurück, die nicht mehr erforderlich sind, da alle Titel elektronisch vorliegen, und biete sie zusammen mit den noch verbliebenen Exemplaren des Titels “Das weiße Pulver” und der russischen Ausgabe des “Lubjanka”-Buches, den HörBüchern und Dateien auf CD-Rom an.

Somit ist im Sommer 2015 nach dem Verkauf aller von uns gedruckten Bücher meine fast dreißigjährige Reisezeit beendet. Als Schlußpunkt habe ich bei Amazon ein eBook veröffentlicht unter dem Titel “Ich war eine literarische Marktfrau – Die Geschichte von Jurij und Anita.”

Anita Treguboff

Anita Treguboff
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Petersburg Urkunde 1 Russische Nationalbibliothek St. Petersburg
Brief des Generaldirektors vom 27.02.2006

Petersburg Bild 2 Ausstellung Bücher von J. A. Treguboff

Petersburg Bild 1 Mitarbeiterinnen der Bibliothek mit den ausgestellten Büchern

Moskau Urkunde 1 Kulturzentrum Haus Museum Marina Zwetajewa, Moskau
Brief der Direktorin vom 01.09.2004

Brief aus Dankesbrief der Bibliothek in Wladimir für die ihr überlassenen Bücher